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19.06.2012

Sammelbände verkaufen sich gut

Antje Haubner ist im Lektorat Humor und Geschenkbuch bei Carlsen tätig und spricht über Trends bei Cartoon-Büchern. Interview von Silke Rabus.

Welche Trends hinsichtlich Themen, Gestaltung, Zielgruppen etc. beobachten Sie bei Cartoon-Büchern, welche Zukunft hat dieses Segment?
Cartoon-Bücher werden sowohl von Selbstlesern gekauft als auch gerne verschenkt. Am besten gehen derzeit bereits erfolgreich eingeführte Cartoonisten wie Joscha Sauer oder Ralph Ruthe – wenn wir mit einem von beiden ein Buch machen, können wir sicher sein, dass wir die Titel gut verkaufen. Aber auch gut gemachte, preisgünstige Sammelbände mit viel Inhalt sind beliebt. Die Sammelbände Nichtlustig von Joscha Sauer oder Shit happens! von Ralph Ruthe verkaufen sich beispielsweise – obwohl sie Cartoons aus bereits erschienenen Büchern enthalten – wie Novitäten. Das liegt auch daran, dass in den schön gestalteten Softcover-Bänden unglaublich viel gutes Material zu einem wirklich günstigen Preis enthalten ist. Was wir ebenfalls sehr erfolgreich anbieten, sind Kalender zu Nichtlustig und Shit happens!.
In den letzten Jahren haben wir allerdings erkennen müssen, dass es auch im Cartoon schwieriger wird, Bücher zu verkaufen – selbst wenn diese eine hohe Qualität haben. Autoren müssen im Internet präsent sein und zum Beispiel auch über Facebook mit ihren Fans kommunizieren, um ihre Titel erfolgreich verkaufen zu können. Für alle anderen ist es viel schwieriger geworden. Sehr erfolgreich sind zudem Sammelbände mit verschiedenen Autoren – wie etwa die Fiesen Bilder im Lappan Verlag zeigen –, vor allem dann, wenn sie günstig sind und gleichzeitig viel Inhalt bieten.
 
Welche Cartoonisten gehen bei Carlsen besonders gut? Mit welchen Nonbook-Artikeln werden die Bücher ergänzt?
Unser erfolgreichster Autor ist Joscha Sauer mit Nichtlustig. Hierzu gibt es bei Carlsen sowohl fünf Cartoon-Bände als auch eine kleine Ratgeberreihe, in der etwa erklärt wird, wie man eine Zeitmaschine baut oder was unter den Prinzipien des Feng Shuizid zu verstehen ist. Außerdem sind bei Sheepworld zahlreiche Merchandising-Produkte erhältlich. Über seine Website www.nichtlustig.de vertreibt Sauer aber auch weitere Merchandising-Artikel, allerdings nur an Endkunden.
Unser zweiter sehr erfolgreicher Autor ist Ralph Ruthe, von dem bisher zehn große Cartoon-Bücher erschienen sind. Mit ihm haben wir auch kleinere Geschenkbücher gemacht und mit beiden Autoren jeweils einen kleinen Band mit Cartoons auf Latein – als Abwechslung für Caesar-geplagte Lateinschüler und -studenten. Ruthe hat mit www.ruthe.de ebenfalls eine sehr erfolgreiche Website, bei spreadshirt kann man T-Shirts kaufen, bei Schmidt Spiele gibt es Puzzles von ihm und er ist nicht nur Cartoon-Autor, sondern macht auch Filme, schreibt Songs und geht im November mit einer eigenen Show auf Tour.

Seit 2006 vergibt Carlsen gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse einen Cartoon-Preis. Konnten Sie Ihr Ziel erreichen, dem Cartoon mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen beziehungsweise haben Sie auf diesem Weg neue Talente entdeckt?
Die Aufmerksamkeit, die der Preis alljährlich in der Presse erzielt, erfüllt genau dieses Ziel. Sehr erfreulich ist außerdem, dass die Preisträger ebenfalls immer sehr viel Beachtung erfahren haben – auch nach dem Wettbewerb – und sich damit in der Regel ihre Auftragslage deutlich verbessert hat. Den Cartoon-Preis zu gewinnen, ist also wirklich ein Karriereschub. Dieses Jahr werden wir den Preis ausweiten und suchen nicht nur neue Talente, sondern fordern auch Cartoonisten, die bereits Bücher veröffentlicht haben, zum Mitmachen auf. Es wird neben einem dotierten Förderpreis auch undotierte Preise für die Profis geben und für alle die Chance, in der Anthologie, die wir zum Motto des Wettbewerbs – „Du bist nicht allein“ – planen, zu einem fairen Honorar zu veröffentlichen. Damit wollen wir den Cartoon-Preis mit einem erfolgreichen Buchprojekt verbinden.


Foto: privat
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