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16.07.2012Das Schulbuch ist im Um- und Aufbruch
Elisabeth Zerlauth, Geschäftsführerin der Verlage E. Dorner und westermann wien, berichtet im Interview mit Silke
Rabus über aktuelle Trends im Schulbuchsegment. Welche Trends beobachten Sie in der Sparte Schulbuch? Die Sparte Schulbuch ist derzeit im Um- oder Aufbruch – einerseits bedingt durch inhaltliche Reformen wie Lehrplanänderungen, Forderungen nach Bildungsstandards und Kompetenzorientierung, Einführung der Zentralmatura, Semestrierung etc., andererseits durch die veränderten technischen Möglichkeiten im Unterricht. Bewegungen im Schulbuchsektor sind aber prinzipiell positiv zu bewerten, da die Forderung nach Änderungen immer auch mit einem kritischen Hinterfragen von Gewohntem verbunden ist. Kurzlebig wie unsere Zeit ist, räumt man allerdings den oben erwähnten, wichtigen Themen meist zu wenig Zeit ein. Moderne Schlagworte wie „digitalisierter Unterricht“ oder „digitalisiertes Lernen“ sollten mit allen, die es letztlich betrifft, diskutiert und Lösungen möglichst von allen gemeinsam getragen werden: von der Institution Schule, von Lehrerinnen und Lehrern, von Eltern, von Schülerinnen und Schülern, aber auch von den dafür zuständigen Ministerien und der Wirtschaft, also zum Beispiel den Verlagen. Dieses Abstimmen und Zusammenspiel verlangt nach einer offenen Diskussion, in der Erfahrungen, Überlegungen und Wünsche aus unterschiedlichster Sicht wertgeschätzt gehören: jene der Pädagogik und Didaktik ebenso wie jene der praktischen Umsetzung oder der Kosten. Wie schlagen sich neue Formen des Lernens im Schulbuch nieder? Am Thema „Whiteboard“ ließ sich beobachten, wie rasch eine faszinierende technische Neuerung zuerst „hochgejubelt“ wurde, nur um innerhalb kurzer Zeit von einem noch neueren Thema in den Schatten gestellt zu werden. Die neuen Schwerpunkte des Unterrichts verlangen nicht zwingend nach dem Einsatz digitaler Medien in der Schule. Sie haben aber das klassische Printprodukt, also das Schulbuch, schon deutlich verändert: Inhalte werden zunehmend auf das Wesentliche reduziert, dafür aber aus mehreren Perspektiven betrachtet, hinterfragt, mittels unterschiedlicher Methoden erarbeitet und vertieft. Schülerinnen und Schüler werden wesentlich stärker zur Selbstreflexion angehalten, sie haben ihr Wissen, ihr Verständnis und ihre Einstellungen eigenständig zu hinterfragen, zu bewerten und mittels weiterer Methoden – also zum Beispiel durch Nutzung digitaler Medien - individuell zu erweitern. Wohin geht der Trend bei E. Dorner und westermann wien? Als Schulbuchverlag haben wir in erster Linie Inhalte und didaktische Konzepte zu vermitteln und dies bewerkstelligen wir auf unterschiedliche Weise. Unser Hauptaugenmerk liegt nach wie vor auf dem gedruckten Schulbuch, den Arbeitsheften und Begleitmaterialien für Lehrerinnen und Lehrer. Wir sind davon überzeugt, dass diese auch in Zukunft noch ihre Berechtigung haben werden: Das Buch wird in seiner speziellen Funktion – wenn überhaupt - nicht so leicht zu ersetzen sein. Wohl aber gilt es, die Vermittlungsmöglichkeiten des Printmediums durch neue technische Entwicklungen zu erweitern. Als innovativer Verlag entwickeln wir schon seit vielen Jahren digitale Inhalte, etwa auf CD-ROMs oder über die Plattform Schulbuch Extra (SbX). Dazu kommen Materialien für das Unterrichten am und mit dem Whiteboard sowie demnächst das digitale Schulbuch für die Hand der LehrerInnen. Diese Angebote richten sich an unterschiedliche Zielgruppen – entweder an Schülerinnen und Schüler oder an die Unterrichtenden – und haben damit auch unterschiedliche Funktionen zu erfüllen: individuelle Begabungen zu fördern und zu fordern, Neugier und Interesse zu wecken, Themen besonders vielfältig und anschaulich zu präsentieren, vertiefendes Verstehen zu ermöglichen und möglichst abwechslungsreich durch die Unterrichtsstunde zu begleiten. Welchen Herausforderungen müssen sich Schulbuchverlage speziell in Österreich derzeit stellen? Wer heute in einem österreichischen Schulbuchverlag arbeitet beziehungsweise dafür Verantwortung trägt, muss vor allem flexibel sein. Entscheidungen, die gestern getroffen worden sind, können heute schon als überholt gelten. Die sprichwörtliche Kurzlebigkeit unserer Zeit fordert gleichzeitig mehr denn je auch Besonnenheit: Neuentwicklungen gilt es vielseitig zu bedenken und zu kalkulieren, ehe man an die Umsetzung geht. Gelegentlich braucht es auch den Mut, Nein zu sagen. Nicht jede vielleicht noch so faszinierende technische Entwicklung muss automatisch auch für die Schule, für nachhaltiges Lernen oder das Budget eines wirtschaftlich verantwortungsvoll agierenden Schulbuchverlages die passende sein. Wohin geht die Entwicklung im digitalen Bereich und was bieten Sie auf diesem Sektor an? Wie schon erwähnt, werden Verlage in Zukunft verstärkt digitales Material für Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrer entwickeln, die das Buch selbst und das Arbeiten mit diesem unterstützen und erweitern. E-Books könnten eine größere Rolle spielen, Apps maximal als Ergänzung dienen – zumindest für jene Unternehmen, die sich diese Entwicklungen auch finanziell leisten können und wollen. Foto: Zita Köver |
