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20.08.2012Freude am Büchermachen
Diesen Herbst
feiert der Innsbrucker Haymon Verlag sein 30-Jahr-Jubiläum. Ein Interview mit Verleger
Markus Hatzer.Der Haymon Verlag wurde 1982 von Michael Forcher gegründet, seit sechs Jahren sind Sie der Verleger. Was hat Sie damals daran gereizt, erst in den Verlag einzusteigen und diesen dann später zur Gänze zu übernehmen? Seit meinen Anfängen als Verleger, also seit über 20 Jahren, steht für mich die Freude am Büchermachen im Mittelpunkt. Der Haymon Verlag hatte sich schon lange als einer der führenden österreichischen Literaturverlage etabliert, und es war für mich eine sehr reizvolle Herausforderung, die Marke Haymon zu pflegen und weiterzuentwickeln. Welche AutorInnen und Titel waren für das heutige Profil des Verlags prägend? Es ist schwierig, hier einzelne Autorinnen und Autoren besonders hervorzustreichen, auch wenn Bücher wie z. B. die Polt-Romane von Alfred Komarek oder das literarische Werk des Hölderlin-Preisträgers Klaus Merz für die Wahrnehmung des Verlags besondere Bedeutung hatten und haben. Wichtiger noch ist aber eine gute, ausgewogene Programmgestaltung, die das Profil des Verlags prägt: ein Spektrum, das von erzählender Gegenwartsliteratur über erfolgreiche Krimis bis hin zu Lyrik und Essays reicht. Das Haymon-Programm setzt auf junge AutorInnen genauso wie auf etablierte Schriftsteller, auf gut unterhaltende Krimis, aber auch auf literarisch anspruchsvolle Texte wie die von Klaus Merz oder Ferdinand Schmatz: Gibt es gewisse Grundsätze oder bestimmte Muster, nach welchen Sie Programmentscheidungen treffen? Wir wollen bei Haymon gute Bücher veröffentlichen, von AutorInnen, die etwas zu sagen, zu erzählen haben, die nicht nur an der Oberfläche bleiben. Und wir wollen Bücher für LeserInnen veröffentlichen, die nicht in Regalen verstauben, sondern die mit Genuss und Gewinn gelesen werden. Das gilt, mit unterschiedlichen Gewichtungen, für alle unsere Bücher – ob für die literarischen Werke von Klaus Merz oder Ferdinand Schmatz oder für unser Krimi-Programm mit Romanen von Georg Haderer, Bernhard Aichner und Herbert Dutzler. Eine ausgewogene Mischung zwischen den Genres und zwischen den Generationen ist uns dabei sehr wichtig – nur so kann unser Verlagsprogramm sich lebendig weiterentwickeln. Haymon verlegt auch die Bücher des Wissenschaftlers und Literaten Carl Djerassi, der heuer die Eröffnungsrede der BUCH WIEN halten wird. Wie kam denn die Zusammenarbeit mit ihm zustande? Carl Djerassi ist in jeder Hinsicht eine faszinierende Persönlichkeit, er hat als Wissenschaftler, als Kunstsammler und -mäzen wie auch als Autor, der das Genre „Science-in-Fiction“ entwickelt hat, Nachhaltiges geleistet. Wir arbeiten mit Carl Djerassi bereits seit über zehn Jahren zusammen und begleiten ihn erfolgreich durch seine „zweite Karriere“ als Schriftsteller, zugleich erscheint jetzt sein zehntes Buch im Haymon Verlag, Chemie im Theater. Killerblumen. Seit 2008 gibt es HAYMONtb – ein Taschenbuchprogramm, das den Fokus ganz klar auf österreichische Literatur und österreichspezifische Sachbücher legt. Haben sich Ihre Erwartungen, die Sie vor vier Jahren beim Start des Programms hatten, erfüllt? Die Erwartungen bezüglich HAYMONtb haben sich mehr als erfüllt. Unsere Einschätzung, dass HAYMONtb eine zentrale Lücke auf dem österreichischen Buchmarkt schließen kann, hat sich bestätigt, viele unserer Taschenbücher wie z. B. der Altaussee-Krimi Letzter Gipfel von Herbert Dutzler, Die Red-Bull-Story von Wolfgang Fürweger oder Sunrise von Michael Köhlmeier haben sich zu echten Bestsellern entwickelt. Dieser Erfolg von HAYMONtb wäre ohne die Unterstützung und das Vertrauen der österreichischen BuchhändlerInnen niemals möglich gewesen – dafür sind wir sehr dankbar und fühlen uns zugleich bestärkt darin, auch weiterhin ein vielfältiges österreichisches Taschenbuchprogramm anzubieten, das Sachbücher und Krimis ebenso wie anspruchsvolle literarische Werke beinhaltet. Weil sich die Klassiker der österreichischen Gegenwarts- und Nachkriegsliteratur bei HAYMONtb gut als Schullektüre eignen, sind Sie Kooperationen mit dem Österreichischen Kompetenzzentrum für Deutschdidaktik und dem Linzer Bildungsverlag Veritas eingegangen. Können Sie kurz erklären, wie das funktioniert und wie das Angebot von den Schulen angenommen wird? Mir als Verleger ist es ein großes Anliegen, dass diese Klassiker der jüngeren österreichischen Literatur nicht in Vergessenheit geraten. Dazu ist es unumgänglich, dass diese Bücher in preiswerten Ausgaben vorliegen, die es erlauben, dass sie auch Eingang in den Schulunterricht finden. Dabei unterstützen uns der Veritas Bildungsverlag, der alle österreichischen DeutschlehrerInnen über unser Taschenbuchangebot informiert, und das Österreichische Kompetenzzentrum für Deutschdidaktik, das zu jedem dafür geeigneten Haymon-Taschenbuch zeitgemäße Begleitmaterialien erarbeitet, auf die die LehrerInnen für ihre Unterrichtsvorbereitung zurückgreifen können. An den Schulen wird dieses Angebot sehr gut angenommen, es ist uns gelungen, Bücher wie z. B. die Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus von Christine Lavant oder Herzfleischentartung von Ludwig Laher sowie zahlreiche andere erfolgreich als Schullektüre zu platzieren. Unter den fünf Nominierungen für den Leo-Perutz-Preis sind zwei Titel von Haymon. Welchen Stellenwert hat das Genre Krimi im Haymon-Programm? Haymon war einer der ersten österreichischen Verlage, die sich im Krimi-Genre engagiert haben. Einige der wichtigsten österreichischen Krimi-Autoren veröffentlichen ihre Bücher bei Haymon: Alfred Komarek, Edith Kneifl, Georg Haderer, Bernhard Aichner oder Kurt Bracharz. Und mit den Altaussee-Krimis Letzter Kirtag und Letzter Gipfel von Herbert Dutzler haben wir zwei der erfolgreichsten österreichischen Krimis der vergangenen Jahre im Programm. Nicht nur im Taschenbuchbereich und bei Krimis, auch sonst ist Haymon trotz internationaler AutorInnen stark österreichisch geprägt, gleichzeitig ist mit dem Verlagssitz Innsbruck die Distanz zu Deutschland nicht groß. Haben Sie es auf dem deutschen Buchmarkt dadurch leichter oder schwieriger als andere österreichische Verlage? Für einen Verlag ist eine Verwurzelung mit seinem Standort, eine regionale Tradition unabdingbar. Unser Belletristikprogramm ist aber überregional gestaltet, mit AutorInnen aus allen österreichischen Regionen, mit Schweizer und deutschen AutorInnen oder Übersetzungen wie z. B. von Andrej Kurkow. Auf die Präsenz auf dem deutschen Buchmarkt hat der Verlagsstandort allerdings wenig Einfluss – professionelle Vertriebsarbeit, tragfähige Netzwerke und natürlich eine überzeugende Programmarbeit sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Bevor Sie die Anteile übernommen haben, hat eine Zeitlang 50 Prozent des Verlags der DVA gehört. Ist der Verkauf von Beteiligungen an deutsche Verlage auch für Sie eine Option, um den Vertrieb und Verkauf in Deutschland zu forcieren? Die Unabhängigkeit in der Verlagsarbeit ist ein hohes Gut, das wir auf keinen Fall aufgeben wollen. Eine Beteiligung eines deutschen Verlags ist daher keine Option für uns. Wie hat sich Haymon für den digitalen Wandel gerüstet? Seit 2011 erscheinen so gut wie alle Neuerscheinungen unseres Programms auch in digitaler Form als Qualitäts-E-Books, bis Jahresende werden wir insgesamt 300 bis 400 lieferbare E-Books anbieten können. Ein breites Angebot an E-Books ist für einen Verlag ebenso notwendig wie die Präsenz auf allen digitalen Kommunikationskanälen und -plattformen. Schließlich geht es darum, eine wichtige neue Zielgruppe für die Literatur, für das Lesen zu gewinnen. Und die Kernkompetenz eines Verlags sehe ich nicht primär darin, Bücher drucken zu lassen, sondern in der Auswahl, der Aufbereitung und der Vermittlung dessen, was in diesen Büchern steht. Gleichzeitig bin ich mir aber sicher, dass auch das gedruckte Buch seinen Wert bewahren wird – E-Books sind kein Ersatz für gedruckte Bücher, sondern vielmehr ein zusätzliches Angebot. Was sind die Highlights Ihres Jubiläumsprogramms? Zu den vielen Highlights im Herbstprogramm unseres Jubiläumsjahres zählt sicher der Auftakt zu einer neuen Buchreihe von Alfred Komarek, in der er Österreich anhand seiner Regionen erkundet und im ersten Band vom Semmering erzählt. In unserem Belletristikprogramm stehen die Erzählbände von Joseph Zoderer und Haymon-Neuzugang Selim Özdogan in der ersten Reihe neben den neuen Romanen von André Pilz und Jochen Jung. Viele Highlights bietet auch unser Krimi-Programm mit dem Bestseller Letzter Gipfel von Herbert Dutzler, Engel und Dämonen von Krimi-Shootingstar Georg Haderer und neuen Krimis von Edith Kneifl und Bernhard Aichner. Im Sachbuchprogramm unserer Taschenbuchreihe HAYMONtb rechnet der Arzt und Autor Günther Loewit mit dem österreichischen Gesundheitssystem ab – seine provokante Frage lautet: „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“ Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Verlags? Für die Zukunft von Haymon wünsche ich mir vor allem dreierlei: viele gute, lesenswerte Bücher von interessanten Autorinnen und Autoren in unserem Programm. Für diese Bücher wünsche ich uns zahlreiche Leserinnen und Leser, die sich über diese Bücher freuen, die sie kaufen, empfehlen und verschenken. Und ich wünsche mir drittens, dass wir auch weiterhin so stark auf die Unterstützung und Wertschätzung zahlreicher engagierter Buchhändlerinnen und Buchhändler bauen dürfen. Haymon Verlag Erlerstraße 10 6020 Innsbruck www.haymonverlag.at Verlagsleitung und Geschäftsführung: Markus Hatzer MitarbeiterInnen: Georg Hasibeder (Programmleiter), Anna Stock (Programmassistenz), Dorothea Zanon und Linda Müller (Lektorat), Gerlinde Tamerl (Presse), Marion Bernhard (Marketing), Saskia Ventzki (Vertrieb), Valerie Besl/vielseitig (Veranstaltungen), Stephanie Gogl (Administration) Programm: Belletristik, Sachbuch Neuerscheinungen pro Jahr: 50 bis 60 Interview: Bettina Führer Foto: Bernhard Aichner |

Diesen Herbst
feiert der Innsbrucker Haymon Verlag sein 30-Jahr-Jubiläum. Ein Interview mit Verleger
Markus Hatzer.