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17.09.2012Klasse statt Masse
Seit
45 Jahren verlegt der Tiroler Obelisk Verlag österreichische Kinder- und
Jugendliteratur. Anlässlich des Jubiläums spricht Georg Buchroithner (im Bild) über die Wurzeln, das Konzept und die Zukunftspläne des Verlags. Aus welcher (Familien-)tradition heraus ist denn der Obelisk Verlag vor 45 Jahren gegründet worden? Ursprünglich wurde der Obelisk Verlag von meinem Großvater Hans Bulla als Belletristikverlag gleich nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Die ebenfalls von ihm ins Leben gerufene Buchgemeinschaft Lesergilde, die später mit Donauland vereinigt wurde, sorgte für gute Verkaufszahlen. Nach einer Stagnationsphase Anfang der 60er Jahre entschloss sich meine Mutter, Helga Buchroithner, geborene Bulla, zusammen mit Inge Auböck als Lektorin 1967 den Verlag wiederzubeleben und auf Kinder- und Jugendliteratur auszurichten. Dieses Konzept wurde bis heute beibehalten. Welche AutorInnen und IllustratorInnen sind prägend für die Verlagsgeschichte? Und was sind die erfolgreichsten Titel des Verlags? Von Anfang an lag das Augenmerk auf literarisch anspruchsvollen Kinder- und Jugendbüchern – unter dem Motto „Klasse statt Masse“. Dies sich auch in der Top-10- Liste unserer bestverkauften Bücher: 1. Walter Wippersberg: Der Kater Konstantin 2. Walter Wippersberg: Schlechte Zeiten für Gespenster 3. Renate Welsh: Und raus bist du 4. Käthe Recheis: Der Kater mit den goldenen Pfoten 5. Renate Welsh: Katzenmusik 6. Renate Welsh: DIEDA oder Das fremde Kind 7. Renate Welsh: Vor Taschendieben wird gewarnt 8. Saskia Hula: Der Löwe auf dem roten Sofa 9. Käthe Recheis: Ein Fall für die Katzenbande 10. Chantal Schreiber: Das Orakel Die Kinderliteraturszene in Österreich ist sehr vital und vielfältig. Wie ist der Obelisk Verlag im Unterschied zu den anderen Kinder- und Jugendbuchverlagen positioniert? Seit den Anfängen des Verlags liegt unser Schwerpunkt auf der Produktion qualitätvoller Kinderlektüre, die auch Interesse an anspruchsvollen Themen vermitteln will. Dazu kommt schon sehr früh die intensive Berücksichtigung von Kindern mit Leseschwierigkeiten, für die wir leicht erfassbare Texte in Sinneinheiten im Flattersatz anbieten. Beispiele dafür sind etwa Bücher von Saskia Hula. Besonderes Gewicht legen wir auch auf humorvolle Bücher, wie unser Longseller Der Kater Konstantin beweist. Überhaupt steht das gesamte Verlagsprogramm unter dem Motto: „Kinder zum Lesen verlocken!“ Wichtige Programmbestandteile sind seit Jahren auch die Club-Taschenbücher. Was ist das Besondere an dieser Reihe? Mit der Gründung der Club-Taschenbuchreihe setzte der Obelisk Verlag im Jahre 1974 einen Meilenstein in der großflächigen Verbreitung prominenter österreichischer Autoren. Durch die Zusammenarbeit mit dem Buchklub der Jugend finden diese Titel auch Eingang in die Schulen und erreichen somit eine große Leserschar. Mittlerweile ist diese „Österreichische Kinderbibliothek“ mit mehr als 260 Bänden zur größten Kindertaschenbuchreihe im Lande geworden. Feiern Sie Ihr Jubiläum mit einem speziellen Programm? Das Jubiläumsjahr möchten wir durch eine große Novitätenvielfalt mit einem absoluten Highlight hervorheben. Von Saskia Hula erscheint Anton – der Pirat, ein von Susanne Wechdorn farbkräftig illustriertes Vignettenbuch, bei dem Wörter durch Bilder ersetzt werden, um so LeseanfängerInnen die heitere Geschichte des pfiffigen Piraten Anton leichter zugänglich zu machen und sie in den Leseprozess einzuführen. Für fortgeschrittene Leseanfänger hüpft Christine Rettls Kiki Känguru ins Obelisk Programm, von Winfried Opgenoorth kongenial mit sehr witzigen Farbbildern reichhaltig und liebevoll gestaltet. Von Jutta Treiber erscheint Fiona Fee hat keine Zeit für Kinder ab acht Jahren, doch auch ältere werden gerne zu dieser zauberhaften, reich illustrierten Erzählung greifen. Es handelt sich um eine, im unverkennbaren Jutta-Treiber-Erzählstil geschriebene Feengeschichte, bei der sich die etwas schusslige und von Stress und Burn-out geplagte Fee Fiona noch öfter in heikle Situationen bringt als sie Kindern aus solchen heraushilft. Unter dem angekündigten Spitzentitel können wir als erster österreichischer Kinderbuchverlag ein Werk von Michael Köhlmeier präsentieren: Das Sonntagskind. Eine Auswahl von Märchen und Sagen aus allen Bundesländern für junge Leser, die Michael Köhlmeier in seiner unnachahmlichen Art in völlig neuer Sichtweise erzählt. Gerade im Kinder- und Jugendbuchbereich sind E-Books und Apps ein immer wichtiger werdendes Thema. Wie reagiert Obelisk auf die digitale Entwicklung? Wir bereiten uns intensiv darauf vor und sehen, dass die Verbreitung digitaler Inhalte zusätzlich zu den neu erscheinenden Titeln einen immer wichtigeren Bereich im Verlagsgeschäft darstellt. Allerdings gibt es derzeit noch verschiedenste Formate, vielfältigste Lesegeräte und Vertriebsanbieter, die vor allem an elektronischen Schnelldrehern interessiert sind. Für Kinder im Erstlesealter sind farbige Illustrationen einen Muss bei der Ausstattung eines Titels. Diese können – zurzeit – nur mit Geräten wiedergegeben werden, die nicht nur mit sehr hohen Anschaffungskosten verbunden, sondern auch sehr empfindlich sind und kindlichem Bewegungsdrang kaum standhalten würden. Da sind Bücher nun doch um einiges robuster und letztendlich auch viel schöner zum Anschauen und Angreifen. Für Jugendromane wäre die Frage der Digitalisierung jedoch sicher eine ernsthafte Überlegung wert. Allerdings stellen wir uns natürlich ständig die Frage: Wo können wir Kinder am besten abholen und bis wohin können wir sie begleiten? Im Zentrum steht für uns, dass ein Kind Freude am Lesen eines ganzen – auch umfangreichen – Buches entwickelt und diese ein Leben lang beibehält. Sie sind heuer auch wieder auf der BUCH WIEN mit einem Stand vertreten. Wie wichtig ist es für Sie, auf Fachmessen wie in Bologna und Publikumsmessen wie in Wien präsent zu sein? Sehr! Der Vorteil einer Publikumsmesse ist, dass man dort so nah am Leser ist wie kaum wo sonst. Man kann genau beobachten, welche Geschichten, Covers und Autoren die Besucher besonders anziehen – von Kleinkindern bis zu den Großeltern. Bologna dagegen ist zusätzlich zum schönen Ambiente ein ganz wichtiger Ort für Lizenzgespräche, die dort in wesentlich entspannterer Atmosphäre als in Frankfurt möglich sind. Man trifft hier Kollegen aus der ganzen Welt. Besonders anregend ist auch der Besuch der Illustratorenausstellung. So kann man beim Gang durch die Hallen die verschiedenen Entwicklungsrichtungen aufspüren und daraus Ideen für das eigene Programm gewinnen. Sie leiten den Verlag inzwischen gemeinsam mit Ihrer Mutter. War es für Sie von Anfang an klar, dass Sie den Verlag eines Tages übernehmen? Dank mehrerer Praktika in Industriebetrieben während meines Studiums der Wirtschaftswissenschaften ergaben sich nach meinem Abschluss zwar einige recht interessante Jobangebote aus diesen Unternehmen, aber durch einen temporären gesundheitsbedingten Arbeitsausfall meiner Mutter entstand kurzfristig die Notwendigkeit, ganztägig für den Verlag zu arbeiten. Dieser Job umfasst ein sehr breites Spektrum unterschiedlichster Tätigkeiten: vom Manuskriptlesen, Lektorieren, Buchkalkulation über Illustration, Herstellung, Druck, Vertretergespräche bis zur Lieferung an den Vertrieb und in die Buchhandlung. Ich konnte darüber hinaus erfolgreiche Absatzmodelle mit verschiedenen Vertriebspartnern entwickeln, intensiven persönlichen Kontakt mit AutorInnen sowie IllustratorInnen pflegen, bei der Gestaltung eines Verlagsprogramms mitwirken, das eigene Adrenalin während Messeterminen oder etwa beim Erhalt der ersten Novitäten-Vorbestellungen spüren und meine eigenen Grenzen erkennen. Angesichts all dieser Vielfalt fiel mir die Entscheidung für die Verlagsarbeit sehr leicht und ich habe sie bis heute auch keine Sekunde bereut. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Verlags? Mindestens 45 weitere erfolgreiche Jahre Obelisk Verlag in Selbstständigkeit. Obelisk Verlag Falkstr.1 6020 Innsbruck www.obelisk-verlag.at Verlagsleitung: Helga Buchroithner Geschäftsführung: Georg Buchroithner MitarbeiterInnen: Inge Auböck (Lektorat) Programm: Kinder- und Jungendliteratur Neuerscheinungen pro Jahr: 18 bis 20 Interview: Bettina Führer Foto: Blickfang, Innsbruck |

Seit
45 Jahren verlegt der Tiroler Obelisk Verlag österreichische Kinder- und
Jugendliteratur. Anlässlich des Jubiläums spricht Georg Buchroithner (im Bild) über die Wurzeln, das Konzept und die Zukunftspläne des Verlags. 