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23.01.2013

Geht’s der Vielfalt gut, geht’s uns allen gut

Das Weihnachtsgeschäft ist abgehakt, die Normalität hat uns wieder. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die Buchbranche 2012 gut behauptet. Ein Grund mehr, uns ebenso freudig wie selbstbewusst den Herausforderungen des kommenden Jahres zu stellen. Unsere p. t. Leserinnen und Leser haben ein klares Votum abgelegt: Bücher werden gern gekauft. Titel mit Regionalbezug liegen im Trend. Wer Vielfalt bietet, punktet.

Dass sich Bücher – gleichgültig in welcher Editionsform – beim Konsumenten ungebrochener Wertschätzung erfreuen, hängt untrennbar mit Angebotsvielfalt und thematischer Breite zusammen. Das soll, ja, das muss so bleiben.

Von Kreuzgängen und Skitouren.
Die Kunsthistorikerin, die einen Bildband über den Kreuzgang des sizilianischen Klosters Monreale sucht, wünscht sich genau dieses Buch. Der Hobbykoch, der sich über die Einsatzmöglichkeiten von Wildkräutern schlau machen will, erhofft sich nach der Internet-Recherche eine Empfehlung von der Buchhändlerin seines Vertrauens. Gibt es einen Skitouren-Atlas für das Salzburger Land? Natürlich. Mausklick. Können Sie gleich mitnehmen, haben wir sogar auf Lager. Ein Buch über 95 Wiener Würstelstände? Mausklick. Erscheint in Kürze, wir rufen Sie an. Die Botschaft lautet: Angebotsvielfalt ist der Schlüssel zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Doch sie ist in Gefahr. Lässt sich im Handel nicht mit zwei, drei Bestsellern ungleich rascher Geld verdienen als mit beratungsintensiven Einzeltiteln aus den Programmen oder gar der Backlist zahlloser Verlage? Vielleicht. Allerdings – wer garantiert den nächsten Bestseller? Und schaffen die sogenannten Schnelldreher wirklich die Art von Kundenbindung, die wir brauchen – 2013 und darüber hinaus?

Origineller Inhalt oder Stilshake?
Auch in den Verlagen werden Kostenrechner und Normierungskünstler nicht müde, Parameter wie Wareneinsatz, Personalaufwand und Lagerumschlag zum Maß aller Dinge zu machen. Originelle Inhalte bleiben da rasch auf der Strecke. Die Produktion qualitativ hochwertiger Bücher in kleineren Auflagen ist, das stimmt schon, oft unrentabel. Verlagsmanager sollen bereits mit den detaillierten Erkenntnissen liebäugeln, die sich aus dem nachvollziehbaren Leseverhalten von E-Book-Nutzern ableiten lassen. Könnte man Autoren nicht dazu anhalten, marktgerechter zu schreiben? Bestsellerverdächtiger? Womit wir bei der Frage wären: Wollen wir wirklich künftige Romane aus der Retorte, einen Stilshake aus Harry Potter und Shades of Grey?

Wer profitiert?
Das BMUKK wäre gut beraten, die Kriterien für die Mittelvergabe seiner Verlagsförderung neu zu überdenken. Wer profitiert seit Jahren am meisten? Sind es wirklich die Verlage, die sich redlich und nachvollziehbar um den Fortbestand der inhaltlichen Vielfalt auf dem Büchermarkt mühen? Sie sollten es nämlich sein. Weil sie
mit ihrer Arbeit das Interesse und die Kaufkraft der Leserinnen und Leser von morgen sichern, unserer zukünftigen Kunden.

Gerald Klonner ist Geschäftsführer des Anton Pustet Verlages in Salzburg.

Foto: Anton Pustet Verlag



Carte Blanche ist eine freie Kolumne im Anzeiger, dem Magazin für die österreichische Buchbranche, die von wechselnden AutorInnen bespielt wird und allen HVB-Mitgliedern offen steht. Themenvorschläge bitte an redaktion@hvb.at.
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