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23.01.2013

F*** Amazon, buy local!

Es geschieht nicht alle Tage, dass der Buchhandel eine globale Vorreiterrolle einnimmt. Genau das vollzieht sich gegenwärtig – allerdings ohne dass es dem Buchhandel selbst bewusst wäre. Unter dem Druck des Online-Handels formieren sich in immer mehr Ländern die unabhängigen Buchhändler zu einer Gegenbewegung, die unter dem Schlagwort „Buy Local“ läuft – und mittlerweile auch andere Handelssparten inspiriert. Ihren Ausgang nahm die Bewegung, ironischerweise, genau dort, wo auch die finsterste Bedrohung des stationären Handels ihren Ursprung hat – in den USA. Seit 2008 stemmen sich die unabhängigen amerikanischen Buchhändler mit gemeinsamen Aktionen gegen den Abfluss der Kaufkraft ins Nirvana eines von Konzernen beherrschten, globalisierten Internethandels.

Konsument mit Bürgersinn
Dabei setzen sie nicht nur auf die bekannten Argumente wie kompetente Beratung und Service, sondern vor allem auf den Hausverstand und Bürgersinn der KonsumentenInnen. Auf der einschlägigen Website indiebound.org rechnen sie dem Kunden vor, was mit seinem Geld geschieht, wenn er es vor Ort ausgibt, statt bei einem Weltkonzern – und umgekehrt. Sie unterstreichen die Bedeutung eines funktionierenden regionalen Wirtschaftskreislaufes für das soziale Gefüge und die Lebensqualität in der Gemeinde. Wer heute sein Geld den Konzernen statt dem Einzelhändler vor Ort gibt, lebt vielleicht nicht morgen, aber bestimmt übermorgen in einer verödeten Stadt, lautet der Kern der Botschaft. Und sie kommt an. So gut, dass auch Buchhändler in anderen Ländern ähnliche Modelle entwickeln.

In Großbritannien etwa haben Buchhändler eine „We pay our taxes“-Kampagne gestartet, einen Frontalangriff gegen die Praktiken des Online-Buchhändlers Amazon, dem britische Parlamentarier vorwarfen, die Gewinne nicht vor Ort, sondern in Steuer-Oasen wie Luxemburg zu versteuern. Auch den Deutschen ist in dieser Hinsicht die Geduld ausgegangen: Julia Claren, Geschäftsführerin des Kulturkaufhauses Dussmann in Berlin, meinte kürzlich im Tagesspiegel: „Amazon profitiert in Deutschland von der Buchpreisbindung und damit von einer Margensicherheit, versteuert aber seinen gesamten deutschen Buchumsatz in Luxemburg zu einem Steuersatz von drei Prozent.“

Buy local, in Germany

Seit der Frankfurter Buchmesse gibt es nun eine deutschlandweit konzertierte „Buy Local“-Initiative, die vom Vorbild der amerikanischen Indie-Buchhandlungen inspiriert ist. 70 Buchhändler haben sich mittlerweile angeschlossen, täglich gibt es neue Anträge auf Mitgliedschaft. Auch Sponsoren haben sich gefunden, sodass der Verein ab Februar einen eigenen Geschäftsführer anstellen kann. Dass man ausgerechnet mit dem englischen Slogan „Buy Local“ gegen die Globalisierung der Handelsströme ins Feld zieht, wurde verschiedentlich bekrittelt, kratzt die Initiatoren aber wenig. „Ist vielleicht nicht optimal, aber präziser hat es letztlich noch niemand formuliert“, meint Gründungsmitglied Christoph Paris (Ravensbuch). Ähnlich wie in den USA wird die Initiative der deutschen Buchhändler vom stationären Einzelhandel generell aufmerksam beobachtet, einzelne branchenfremde Geschäfte haben sich bereits angeschlossen.

Kaufen vor Ort
Auch den Österreichern ist der „Buy Local“ Gedanke keineswegs fremd. Bernhard Borovansky (buchmedia) sieht seine Organisation als eine „Buy Local“-Initiative avant la lettre: „Buchmedia als Dachmarke ist unbedeutend, uns ist es immer schon darum gegangen, durch unsere Aktivitäten den Sortimenter vor Ort zu unterstützen.“ Für Oliver Hartlieb (Hartliebs Bücher) ist „,Buy Local‘ genau unser Thema!“ Markus Renk hat mit seinen Tyrolia-Buchhandlungen Anfang 2012 schon eine eigene, dezidierte „Buy Local“-Kampagne gefahren, die bei den KundInnen, aber auch bei Unternehmen anderer Handelssparten auf großes Interesse gestoßen ist. Renk will den Kunden klar machen, dass es „besser ist, vor Ort zu kaufen, statt bei amerikanischen Konzernen, die weder Kommunalsteuern entrichten, noch Arbeitsplätze schaffen“. Klaus Seufer-Wasserthal (Rupertus Buchhandlung) stößt ins selbe Horn: „Es sind auf Dauer nicht nur die Jobs der Buchhändler, die gefährdet sind, wenn die Leute im Internet einkaufen, statt beim stationären Handel. Man muss genau beobachten, wo das Geld hinwandert. Je mehr davon in der Region bleibt, desto besser für alle. Das ist das Thema der kommenden Jahre!“

Thomas Keul
Hauptverband des Österreichischen Buchhandels
 
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