13.08.2010Google Editions kommt - später
Mit dem Dienst Google Editions will Google E-Books von Partnerverlagen
verkaufen. Die Google-Bücher-Chefin Annabella Weisl spricht mit Markus Toyfl über das
neue Angebot. Wann startet Google Editions in Österreich? Wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr Google Editions in Deutschland launchen werden. Der Start in Österreich wird wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Wie viele Partnerverlage hat Google derzeit in Österreich? In Europa haben wir mehr als 9.000 Partnerverlage, die uns über 600.000 Titel zur Verfügung gestellt haben. Darunter auch einige österreichische Partner wie beispielsweise Böhlau Wien. Wie ist die Resonanz österreichischer Verleger für das Google-Editions-Programm? Wir haben mit vielen Verlagen gesprochen und die Resonanz für Google Editions ist sehr positiv. Wann wird der Ergänzungsvertrag für österreichische Teilnehmer vorliegen? Der deutsche Ergänzungsvertrag steht kurz vor der Fertigstellung. Google behält sich in der US-Version das Recht vor, Preise zu reduzieren, solange Google die Verlagsmarge nach Listenpreis berechnet. Wird dieses Modell auch für Österreich angestrebt? In Ländern, in denen auch die Preise für digitale Ausgaben von Büchern gebunden sind, werden wir selbstverständlich den vom Verlag vorgegebenen Preis 1:1 übernehmen. Google USA erlaubt keinen Preis für die Google Editions, der über dem niedrigsten Preis der Printversion liegt. Gilt das auch in Österreich? In Ländern mit Buchpreisbindung werden wir den vom Verlag vorgegebenen Preis für die elektronische Ausgabe übernehmen. Die Nutzer werden allerdings erwarten, dass digitale Inhalte günstiger sind als physische Bücher, und eine angemessene Preisgestaltung wird ein wichtiger Beitrag zum Erfolg des Vertriebs von E-Books sein. Kann ein Verlag für die USA einen anderen Preis festsetzen als für Österreich? Beim Start wird dies wahrscheinlich noch nicht machbar sein, aber die Möglichkeit, für unterschiedliche Länder unterschiedliche Preise setzen zu können, haben wir in Planung. Soll es für Anbieter in Österreich auch die Möglichkeit geben, Bundles bestehend aus E- und Print-Book zu verkaufen? Wir möchten Verlagen die Möglichkeit geben, Bundles aus der digitalen und gedruckten Ausgaben eines Werkes anzubieten. Dies können wir ausschließlich in Zusammenarbeit mit Online-Buchhändlern anbieten, da wir über Google nur die digitale Version eines Titels anbieten können. Beschreiben Sie bitte kurz das Cloud-Modell von Google Editions. Mit Hilfe des Cloud-Modells wird der Zugriff auf die Inhalte online jederzeit und von überall möglich. Eine "Cloud" ist ein Netzwerk einer großen Anzahl von Servern, deren Speicherkapazität stark skalierbar ist und auf das über das Internet zugegriffen werden kann. Der Anbieter der Cloud kümmert sich auch um die Sicherheit der auf den Servern liegenden Inhalte. Bei den Google Editions muss der Nutzer so nicht mehr die einzelnen Files der E-Books verwalten, sondern die E-Books sind online zugänglich. Der Nutzer loggt sich über ein Google-Konto in sein virtuelles Buchregal ein. Er wird in der Lage sein, mit jedem Endgerät, das über einen Webbrowser verfügt, auf die Inhalte voll zuzugreifen, d. h. beispielsweise über PCs, Laptops, Netbooks, Tablets, Smartphones mit Android-Betriebssystem oder das iPhone. Es erfolgt ein nahtloser Wechsel zwischen unterschiedlichen Geräten, und der Nutzer ist so nicht an ein bestimmtes Format gebunden. Sie wollen auch BuchhändlerInnen die Möglichkeit geben, E-Books über Google Editions zu vertreiben. Wie sieht dieses Modell aus? Ein Buchhändler kann über das zusätzliche Angebot von Google Editions seinen Kunden mehr Auswahl bieten. Die Kunden können entscheiden, in welcher Ausgabe, d. h. in welcher „Produktform“ sie ein Werk kaufen möchten, gedruckt oder digital, als File oder als Cloud-Lösung mit Online-Zugriff. Neben einer Hardcover-Ausgabe, einem Taschenbuch, einem Audiobook, einem EPUB oder PDF könnte der Kunde sich auch für Google Editions entscheiden. Können sich BuchhändlerInnen direkt auf der Google-Site als Verkäufer der Editions präsentieren? Im Rahmen von Google Bücher wird Google die Google Editions verkaufen. Auf der eigenen Website verkauft der Buchhändler direkt an den Endkunden. Der Buchhändler kann aber auf Google Bücher nach wie vor in der Händlerliste aufgeführt werden. Was müssen BuchhändlerInnen tun, um in die Verkäuferliste zu kommen? Der Händler muss sich im Google Merchant Center anmelden, und uns Daten-Feeds zukommen lassen, d. h. er teilt uns mit, welche Bücher er in seiner Online-Buchhandlung führt, damit der Link bei den entsprechenden Titeln auf der „Über dieses Buch“-Seite korrekt angezeigt werden kann Wie ist die Margenverteilung bei Google Editions? Zu den Konditionen kann ich noch keine konkreten Aussagen machen. Wir sprechen zurzeit mit Verlagen, um Modelle zu entwickeln, die den jeweiligen lokalen Marktbedingungen entsprechen, die von Land zu Land variieren. Wie erfolgt die Abrechnung, wenn ein Buchhändler Google Editions auf seiner Webseite anbietet? Wir rechnen direkt mit dem Buchhändler ab. Google hat im Juni 2010 einen viel diskutierten Kooperationsvertrag mit der ÖNB abgeschlossen, der die Digitalisierung und die Bereitstellung der urheberrechtsfreien Bibliotheksbestände durch Google vorsieht. In wieweit wird es möglich sein, Inhalte aus diesen Beständen unter Zuhilfenahme zukünftiger Google-Services (z. B. Print on Demand/E-Book-Bundles) über das Google-Editions-Programm zu beziehen? Bei den Büchern, die wir im Rahmen der Kooperation mit der ÖNB digitalisieren, handelt es sich ausschließlich um gemeinfreie Titel, bei denen das Urheberrecht bereits erloschen ist. Dies sind Werke, die vom 16. Jahrhundert bis ungefähr zur Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen sind. Gemeinfreie Titel können bereits heute kostenfrei vollständig in der Google Buchsuche eingesehen werden, und Nutzer können sich ebenso kostenfrei ein PDF oder EPUB dieser Werke herunterladen. Google Editions sind eine Ergänzung zum Partnerprogramm für Verlage und unabhängig vom Bibliotheksprojekt. Interview: Markus Toyfl Foto: Google |

