Mayer-Zach, Ilona
1 Buch, 2 Krimis

Ilona Mayer-Zach hat sich unter die Juristen gemischt und lässt in ihrem Krimi "Quadrille" gerade am Juristen-Ball einen Anwalt sterben. Und in "Schweigerecht" (beide Manz) wirft eine Leiche im Keller allerlei Fragen auf. Die Autorin hat unter ihrem Pseudonym Lena Lorenz bereits viel Erfahrung mit Bösewichten gesammelt.
Interview: Ernst Grabovszki
Sie betreiben eine Kommunikationsagentur. Wie kommt eine "Kommunikationsagentin" zum Krimischreiben?
Der Verlag Manz, seit Jahren offizieller Sponsor der Ballspende beim Wiener Juristenball, hatte die Idee, einen Krimi zu verschenken, der im juristischen Milieu spielt. Ich war nach einigen Jahren Tätigkeit als PR-Frau für eine Wiener Wirtschaftskanzlei gerade auf dem Absprung in die Selbstständigkeit, um meinen beruflichen Schwerpunkt wieder voll aufs Schreiben zu verlegen. Da kam die Anfrage von Manz gerade recht, und wir einigten uns sehr schnell auf den Plot: Auf dem Juristenball am 25. Februar 2006 sollte sich ein mysteriöser Todesfall ereignen, und das inmitten von Hunderten von Juristinnen und Juristen.
Meine Recherchen bei der Polizei ergaben dann aber, dass das gar nicht so einfach war. Ursprünglich wollte ich den Toten in einem der Säle auffinden lassen, aber dann hätte kaum jemand von den Gästen etwas mitbekommen, weil die Polizei und die Organisatoren das sehr diskret abgewickelt hätten. Also ließ ich den Toten mitten in den Höhepunkt des Balls, die "Quadrille", platzen. So heißt auch der Roman, der gemeinsam mit einem zweiten Kurzkrimi (Schweigerecht) vom Manz Verlag auch dem "normalen" Lesepublikum zugänglich gemacht wurde.
Ist denn das Juristen-Milieu "sexy" genug, um ihm gleich zwei Krimis zu widmen?
Natürlich kann man vom Juristen-Milieu, so wie von jedem anderen, noch viele Geschichten erzählen - siehe Grisham. Ich kenne die Welt der Juristen recht gut, weil ich einige Zeit als Gerichtsjournalistin Einblick ins relevante Geschehen bekommen habe. Fakt ist - selbst wenn es für manche Leute schwer vorstellbar ist -, dass Juristen auch nur Menschen sind, wie etwa die aufstrebende Anwältin in Schweigerecht, die im wahrsten Sinne des Wortes eine Leiche im Keller findet. Diese Diskrepanz aus elitärem Beruf und einer der Karriere nicht förderlichen Verwicklung in einen Mordfall hat mich gereizt. Ich war neugierig, wie sie dieses Problem lösen wird - wobei natürlich der Humor nicht zu kurz kam.
Haben oder hatten Sie Vorbilder?
Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich Krimis mit Kommissaren nur eingeschränkt und blutige Thriller überhaupt nicht mag. Mir geht es mehr um die Geschichten, die psychologischen Hintergründe rund um einen außergewöhnlichen Vorfall. Das kann ein Mord sein, eine umgefallene Schachfigur wie in Bettina Henrichs "Die Schachspielerin" oder Ähnliches. Mein liebster Kriminalschriftsteller ist Dick Francis (ich habe alle seine 38 Bücher).
Seine "Aufklärer" sind in der Regel nicht Kommissare, sondern die jeweiligen Hauptfiguren, denen plötzlich etwas Ungewöhnliches zustößt. Natürlich gibt es noch unzählige Autoren und Dramatiker, die mir gut gefallen wie Andrea Camillieri, Sándor Márai, Arthur Schnitzler, William Shakespeare - alle, die einen mitreißenden (humorvollen) Schreibstil haben und eine spannende Geschichte erzählen, ob Mord oder nicht, ist dabei völlig nebensächlich.
Man kennt Sie auch als Lena Lorenz, als Autorin dreier "Spannungsromane". Wie schwierig ist es, in einem Text Spannung zu erzeugen? Welche Tricks verwenden Sie?
Krimischreiben ist für mich wie Lesen, nur dass ich nicht umblättere, sondern meine Finger über die Tastatur fliegen. Ich will wissen, wie es weitergeht. Wenn die Handlung für mich vorhersehbar wird und ich mich zu langweilen beginne, passiert plötzlich etwas Unvorhergesehenes, es kommt zu einer Wendung, da tauchen dann plötzlich Personen auf, die Dinge sagen, über die ich mich selbst wundere. Und schon hat sich der Spaß beim Schreiben wieder eingestellt. Jeder Mensch trägt einen natürlichen Spannungsbogen in sich. Wenn man klassische Filme oder klassisches Theater analysiert, erkennt man eine Struktur: Einführung, Konflikt (unvorhergesehenes Ereignis, z. B. ein Mordfall), Konfrontation, Höhepunkt, Auflösung. Ähnlich ist das auch bei meinen Geschichten.
Warum haben Sie nicht auch für Ihr viertes Buch das Pseudonym Lena Lorenz verwendet?
Nachdem ich positives Feedback auf die ersten drei Romane bekommen hatte und dann ein so seriöser und angesehener Verlag wie Manz meine "Quadrille" an 1.500 Juristen verteilen ließ, dachte ich mir, dass die Geschichten nicht so schlecht sein können und habe mir gesagt: Traust dich was und schreibst deinen echten Namen drunter. Denn es geht nicht an, dass man mutige Protagonisten schafft und dann selber feige ist.
Fühlen Sie sich als KrimiautorIn nicht insofern in Ihren literarischen Mitteln eingeengt, als Sie unweigerlich ständig denselben Plot bedienen müssen: Jemand begeht ein Verbrechen, ein/e Aufklärer/in tritt auf den Plan und klärt das Verbrechen auf? Wird das nicht irgendwann monoton?
So ist es ja nicht. Bei mir steht ja nicht einmal immer fest, ob es ein Verbrechen war, und einen klassischen "Aufklärer" wie einen Kommissar gibt es im Normalfall auch nicht. Das war nur in der "Quadrille" so, weil es sich durch den Vorfall in der Hofburg so anbot und der Fall ja binnen einer Nacht gelöst werden musste. Es geht vielmehr immer um spannende "Alltags"-Geschichten, Hinter- und Abgründe, die sich auftun - wie das Leben eben so spielt. Das ist so wie wenn Sie morgen den Briefkasten öffnen und zu einer Veranstaltung eingeladen werden, und dort passiert dann etwas.
So geschieht es übrigens in meinem nächsten (bereits fertig gestellten) Roman, in dem während eines Events ein Prominenter aus der Donau gezogen wird. Ob es Mord war oder nicht, ist die Frage, die sich durch den ganzen Roman zieht. Kommissar gibt es keinen, dafür aber eine Biografienschreiberin, die schließlich das Rätsel auf ihre Art löst. Ich kenne einige Polizisten und diese hätten - spitz formuliert - in der Realität weder die Zeit, noch die Möglichkeit, so verbissen an einem Fall (der oft nicht einmal ein offizieller Fall ist) zu recherchieren, wie das meine "Aufklärer" tun. Von Monotonie also keine Spur. Ich bin selbst immer wieder überrascht, was denen so einfällt.
Wie kommen die Handlungen für Ihre Krimis zustande? Inwiefern schöpfen Sie aus Ihrem persönlichen Umfeld?
Viele Ideen entstehen natürlich oft spontan und auf die eigentümlichste Weise. Die Handlung von "Schweigerecht" ist da ein gutes Beispiel: Ich war mit einer Freundin bei einer langweiligen Veranstaltung und wir haben, um uns doch noch zu amüsieren, den Plot für "Schweigerecht" ausgeheckt. Oft ist es aber auch nur ein plötzlicher Gedanke, eine Zeile, die einen Sturm auslöst und aus dem sich dann die Handlung oder das "Skelett", wie ich es nenne, entwickelt, wobei das Ende bis zum Schluss auch für mich völlig offen bleibt. Die Geschichten entwickeln sich erst während des Schreibens. Am arbeitsintensivsten ist der Hintergrund oder das "Fleisch". Da heißt es fleißig recherchieren über das jeweilige Milieu, Gespräche mit Polizisten und Zuständigen führen, historische Geschichten nachlesen usw. Alle Hintergründe entsprechen, sofern nicht der Fluss der Handlung eine Abweichung erzwingt, den Tatsachen.
Über all dem spannt sich dann die "Metabotschaft" - die in allen meinen Geschichten ähnlich ist: Es geht um Freundschaft, Mut, Zivilcourage, Gerechtigkeit, wobei letztere nicht unbedingt mit der geltenden Rechtslage zu tun hat. Natürlich werden auch persönliche Erlebnisse, Gehörtes, Gesehenes, Erzähltes eingebaut, aber nie eins zu eins, sondern alles bekommt ein völliges Eigenleben.
Wären andere literarische Formen für Sie denkbar, ein Theaterstück etwa oder Gedichte?
Ja, durchaus. Ein Theaterstück und eine Sammlung skurriler Alltagskurzgeschichten habe ich bereits geschrieben. Ein Drehbuch wird eine meiner nächsten Arbeiten sein. Gedichte schreibe ich nur für Familienfeiern.
Woran arbeiten Sie zurzeit?
Mein sechster Krimi "Schärfentiefe" ist in Arbeit. Derzeit arbeite ich - neben meiner schreiberischen Alltagstätigkeit - an einem weiteren Leitfaden über erfolgreichen Unternehmensauftritt für Klein- und Mittelunternehmer und, wenn es die Zeit zulässt, an meiner Dissertation. Der Plot für den nächsten Krimi entwickelt sich gerade. Eines steht schon jetzt fest: Der Titel wird wieder mit "Sch" beginnen.
Ilona Mayer-Zach, geboren 1963 in Graz, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, lebt mit Mann und Tochter in Wien. Arbeitete u. a. als (Gerichts)Journalistin, Texterin und PR-Beraterin. 2005 gründet sie Textwerk IMNetzwerk (www.imnetzwerk.at) und ist seitdem hauptberuflich als Autorin tätig. 2006 erschien "Schweigerecht/Quadrille" (Manz), 2008 der Kriminalroman "Schärfentiefe" (WienLiveEdition) sowie die Anthologie zu dem von ihr betreuten Schreibwettbewerb "Jugendkrimi 2008" (Echomedia). Publikationen zum Thema Kommunikation. Sie hält Lesungen, Schreibwettbewerbe und Schreibwerkstätten ab.