Hauptverband des Österreichischen Buchhandels

Deix, Manfred

Muskeltier


Arnold Schwarzeneggers 60. Geburtstag feiert Manfred Deix mit einem Buch. In „Arnold Schwarzenegger. Die nackte Wahrheit“ (Ueberreuter) bringt Deix manch pikantes Detail ans Licht.

Interview: Ernst Grabovszki
Anzeiger 08/2007


Warum haben Sie sich gerade mit Arnold Schwarzenegger auseinandergesetzt?
Es gibt den glücklichen Zufall, dass er Ende Juli 60 wird. Begonnen habe ich mit dem Buch aber bereits 2004, schlicht aus dem Wunsch, diesen Mann einmal anders zu präsentieren, als man ihn bisher gekannt hat. Es war eine Idee meines Verlegers. Aber es gab damals keinen wirklichen Anlass, und im Lauf der Zeit ging mir der Stoff aus. Im Frühjahr habe ich vom 60. Geburtstag erfahren, habe meine Kräfte mobilisiert und das Buch fertig gemacht.

Kennen Sie und Schwarzenegger einander persönlich?
Nein, ich kenne ihn wie jeder andere auch: aus Filmen, dem Fernsehen.

Welchen Eindruck vermittelt er Ihnen?
Ich habe immer gestaunt über seinen Werdegang, der nicht ohne ist. Von seinen Filmen habe ich nie etwas gehalten. Sobald ich in irgendeinen Terminator hineingerate, zappe ich weiter. Es war nur beachtlich, dass er mit dieser Filmkarriere wirklich weltberühmt wurde. Verblüffend war auch, dass alles, was er sich vorgenommen hatte, auch geschafft hat. Er donnerte nach oben, ohne Barrieren zu kennen. Ich bin also kein Fan – aber Respekt, wem Respekt gebührt.

Gab es schon Reaktionen von Schwarzenegger? Rechnen Sie mit welchen?
Ich habe das Buch nie mit dem Hintergedanken gemacht, ihm zu begegnen. Ich bin nicht eitel, Billy Wilder lud mich einmal nach Hollywood ein, und ich besuchte ihn nicht. Ich suche nicht die Nähe von Prominenten, genauso wenig zu Schwarzenegger. Wenn er das Buch also in die Hände kriegt, ist es gut, wenn nicht, ist es auch gut. Das Buch ist nicht dazu da, ihm Freude oder Ärger zu bereiten.

Ihre Bücher kombinieren Bild und Text. Was ist zuerst da – bzw. was inspiriert das jeweils andere?
Das ist verschieden, einmal kommt das Bild zuerst und dann der Text, es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Es mag sein, dass mir einmal eine Textpassage durch den Kopf geht, genauso gut kann ein Bild entstehen. Bild und Text befruchten einander gegenseitig. Und wie es kommt, so halte ich es fest.

Texte werden oft und leicht umgeschrieben. Zeichnen Sie oft um?
Eher nein, der first take, der erste Entwurf muss sitzen. Was man von mir kennt, entsteht spontan. Schnellschuss! Das ist meine Devise.

Mir fällt bei Ihren gereimten Texten auf, dass da immer alles stimmt: Versmaß, Rhythmus, Reim. Wie groß ist Ihre Affinität zum Schreiben?
Riesig. Ich habe vor 15 Jahren scheu und schüchtern begonnen, mittlerweile macht es mir unendlichen Spaß. Ich denke oft in Versen. Es ist fast vergnüglicher als das Zeichnen. Es gibt bereits zwei Gedichtbände, der nächste liegt halbfertig in der Schublade. Es entspannt mich, während Zeichnen ja auch körperliche Arbeit ist. Und noch ein dickes Buch ist in Arbeit: Es wird Deix’ Delicatessen heißen, war für den heurigen Herbst vorgesehen, wird aber im kommenden Jahr erscheinen.

Als Zeichner bzw. Bildender Künstler kann man mehrere Medien bedienen: das Museum, das Fernsehen, die Tagesmedien, Film. Was ist Ihnen das liebste?
Seit mehreren Jahren habe ich ein Angebot für einen Zeichentrickfilm auf dem Tisch. Demnächst fahre ich nach München, um weitere Gespräche zu führen. Es soll ein Kinofilm werden. Seit sieben Jahren renne ich dem Projekt fast davon, weil es zeitaufwändig sein wird. Was meine Arbeit anlangt, bin ich ohnehin ausgelastet, und ich fürchte diesen Anfall von Arbeit, der durch den Trickfilm entstehen wird: Pro Sekunde 18 Zeichnungen, das ergibt bei einem Eineinhalb-Stunden-Film 97.200 Zeichnungen. Ich würde die natürlich nicht alleine zeichnen, sondern hätte eine Reihe von Mitarbeitern, denen ich Vorgaben liefere. Dennoch ist die Herausforderung riesengroß.

Kann man über den Inhalt schon etwas sagen?
Top secret!

Welche Vorteile bietet das Medium Buch einem Bildenden Künstler?
Wenn man meine Bücher seit 1980, da ist mein erstes erschienen, gesammelt hat, kann man auf mehrere Jahrzehnte österreichisches Zeitgeschehen zurückblicken. Das ist verlockend! Das ist Heimatkunde. Ich bin bibliophil veranlagt, insofern ist das Zeichnen und Texten eines Buches wunderbare Arbeit. Da kriege ich alle Gefühle dabei.

Erinnern Sie sich noch an den 4. August 2001?
Was war da?

Da haben Sie, wie Sie in einem Fax an Robert Crumb am Tag darauf festgestellt haben, einen der besten Tage Ihres Lebens verbracht – mit Robert Crumb. Was passierte?
Wie Brian Wilson in der Musik ein Gott ist, ist es Robert Crumb im Zeichnen. Wie es der Zufall wollte, hatte Crumb mit seiner Jazzband in Krems einen Auftritt. Wir haben versucht, ihn für eine Ausstellung im Karikaturmuseum Krems zu gewinnen. Prompt hat er ausgestellt, was er im deutschsprachigen Raum noch nie gemacht hatte. Da stand ich also meinem Gott gegenüber. Das ist ungefähr so, wie wenn der Papst plötzlich seinem Schöpfer gegenüber steht. Ich bin Crumb in einem Kremser Gasthaus auf allen Vieren entgegen gekrochen. Er war verlegen, hat gekreischt und meine Frau als Schutzschild vorgeschoben. Ich habe ihm meine Bücher gezeigt, und er hat gewiehert vor Lachen. Das war ein Riesenkompliment.

Wo liegen die Qualitäten von Robert Crumb?
Der Mann ist ein Gesamtkunstwerk. Wissen Sie, wie er aussieht? Was muss man mehr sagen? Er ist gottbegnadet vom Scheitel bis zur Sohle. Er entlarvt Amerika, ist auch selbstkritisch und ironisch mit seiner Geilheit. Dauernd ist er den Frauen hinterher, und was sich in seinen Zeichnungen abspielt – Pornographie ist da nur ein Hilfsausdruck. Es hat aber nichts Obszönes, sondern ist hohe Kunst. Das macht seine Qualität aus.



Manfred Deix
Arnold Schwarzenegger. Die nackte Wahrheit
Verlag Carl Ueberreuter
ISBN 978-3-8000-7060-2
EUR 17,95


Manred Deix, geboren 1949 in St. Pölten, beginnt nach einer Ausbildung an der Höheren Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien 1972 seine Karriere als Karikaturist. Seitdem zeichnet er Titelblätter und Cartoons für profil, Stern, trend, Spiegel und News und bringt neben seinen Ausstellungen immer wieder Bücher auf den Markt.

Hauptverband des Österreichischen Buchhandels
 
Zur Startseite  

Realisiert mit ContentLounge 9.0.3