Prinz, Martin
In Ein Paar (Jung und Jung), dem dritten Roman
von Martin Prinz, löst eine spontane Reise der Protagonistin Susanne
Reflexionen über die ganz große Liebe, die Ehe und die Fragilität gesicherter
Lebenskonzepte aus.
Interview: Veronika Leiner
Anzeiger 10/2007
Ein Paar erzählt von zwei Beziehungen, der
sicheren Ehe, einem relativ bürgerlichen Konzept einerseits; dem Ausbruch
daraus andererseits. Beides wird aber nicht bewertet.
Der Ausbruch wird nicht einmal wirklich
erzählt: Der Roman beginnt, wo Susanne ihre Entscheidung schon getroffen hat,
ihre letzte Begegnung mit Sebastian ist ein halbes Jahr her. Es wird auch
deutlich, dass sie diese Liebe nie gelebt hat. Aus einer Liebesgeschichte wird
in dem Moment eine Beziehungsgeschichte, wo Alltag und Leben ins Spiel kommt.
Deshalb habe ich diese Gegenliebe, dieses Ein-anderes-Paar-Sein in dem Moment
belassen, wo noch nichts von diesem starken Gefühl vom Leben überprüft werden
muss. Und es trotzdem bei der großen Verlockung belassen: Die Frau denkt sich,
das könnte vielleicht die große Liebe sein, und gleichzeitig kommt sie zu dem
Ergebnis, dass sie sich nicht traut, diese Liebe zu leben. Weil, das könnte
vielleicht eine der Thesen in diesem Roman sein, weil sich große Lieben nie
leben lassen. Das weiß ich aber nicht, so etwas darf in einem Roman ja gar
nicht drinstehen.
Ein Autor kann also auch nicht alle Fragen
zu seinem Roman beantworten?
Die Kunst einen Roman zu schreiben besteht
ja darin, dass man an möglichst vielen Stellen dorthin kommt, wo man selbst nur
mehr Fragen hat, und keine Antworten. Wenn einem das glückt, weiß man über den
Roman genauso viel wie jeder Leser.
Einen gelungenen Roman würde auszeichnen, dass man auch selbst nur mehr Fragen
an ihn hat, und dann kann man nur mit Gegenfragen antworten, oder zu weiteren
Fragen kommen.
Dem Roman ist als Motto ein Zitat von
Kristin Hersh vorangestellt.
Das Zitat ist ja ein Rätsel. Es eröffnet
die Erzähllandschaften im Buch, die Frage, wie man was wahrnimmt. Kristin Hersh
kommt zu dem Schluss, „I put a rock into my brain, now I can feel almost
everything“, das ist aber das Gegenteil von dem, was man erwarten würde.
Vielleicht wäre mir das Zitat auch ein Rätsel, wenn mir nicht irgendwann
während des Schreibens die Stelle passiert wäre: „Sie spürte ihre Sehnsucht wie
einen Stein.“ Ich habe keine
Ahnung, warum ich diesen Satz geschrieben habe, er war auf einmal da. Er ist
für mich das andere Ende dieses Rätsels: dass es solche Momente gibt. Die Figur Susanne geht weg von dem Mann, den sie vielleicht so liebt
wie niemand anderen. Und als sie weggeht, ist das, was sie gerade in Bewegung
hält, wie ein Stein in ihr. Es
ist trotzdem noch Sehnsucht, aber gleichzeitig ist es schon ein Stein. Es ist
etwas sehr Bestürzendes, wie schnell diese Wandlung der Sehnsucht passieren
kann.
Dieses Kippen gibt es
in diesem Buch sehr oft. Beim Bergmann, der im Bergwerk eingeschlossen ist, ist
es ganz anders: Der ist im Stein und fürchtet sich davor, die Retter zu hören,
denn wenn das nur Einbildung wäre, dann würde er jeden Mut verlieren. Der Stein
in ihr, jemand, der im Stein verschüttet ist, das sind ganz verschiedene
„Gesteinsarten“, durch die sich die Geschichten in dem Buch durchbewegen. Das Zitat am Anfang eröffnet
alles, was danach passieren wird, als Rätsel. Wenn man das Buch zu lesen
beginnt, mit der Frage, Was soll das Zitat bedeuten?, dann ist man dort, wo ich
den Leser haben will. Das ist vielleicht auch eine Art Verlockung.
Die Sehnsucht und der
Stein bezieht sich natürlich auch auf „Der Wolf und die sieben Geißlein“: Aber
beim Wolf ist es nicht Sehnsucht, sondern Gier, die dazu führt, dass er, den
Bauch voller Steine, in den Brunnen fällt. Die Sehnsucht, die wie ein Stein
ist, ist natürlich auch unglaublich gefährlich, weil man bei jeder Bewegung das
Übergewicht kriegen kann. Sie kann einen hinfallen lassen, wo der Kopf
vielleicht nicht hingegangen wäre. Der Stein verändert die Manövrierfähigkeit.
Susanne und Georg, das Ehepaar, haben sich
ins Private zurückgezogen. Dieser Rückzug wird der Generation der heutigen Mitdreißiger
auch vorgeworfen.
Das wird ihnen zu recht vorgeworfen. Aber mir ist es darum
gegangen, diese Gegebenheiten einfach so hinzusetzen. An einem Morgen zu
beginnen und zu sagen, so ist das bei den beiden, so sind sie. Ich habe mir
alles verboten, was an Analyse möglich wäre. Nachdem sich im Roman genug
Probleme aus diesem So-Sein ergeben, muss man sie nicht extra noch als Bobos
oder ähnliches ausstaffieren, damit sich ein Mehrwert an sozialem Gehalt
ergibt. Diese Generation ist natürlich auch
traurig, sie ist glücklich, aber sie ist auch unglaublich traurig. Das sind
Leute, die sehr viel erreicht haben, in einem Feld von Berufen, die es vor 15
Jahren noch gar nicht gegeben hat, diese halbkünstlerischen Berufe. Alle sind
politisch relativ korrekt, haben liberale Anschauungen, sie reflektieren recht
viel, machen fernöstliche Techniken, um möglichst beruhigt zu sein. Das ist
eigentlich ein ganz schauriges Konstrukt. Aber darüber einen satirischen oder
ironischen Roman zu schreiben, hätte mich nicht interessiert. Mich
interessiert es viel mehr, die Schwierigkeiten, die die Figuren haben, anhand
ihrer Geschichte deutlich zu machen. Man kommt ja darauf, dass sie sich in
einem Gefängnis bewegen, dass diese Sicherheiten ein Gefängnis sind.
Die „Ehebrüche“ der
Eheleute unterscheiden sich stark: Bei Georg ist es der pure Sex, während
Susanne so etwas wie einen Seelenverwandten trifft. Das könnte man sehr leicht
als klischeehafte Geschlechterdarstellung lesen.
Das könnte man als Klischee lesen, aber die
Seelenverwandtschaft zwischen Susanne und Sebastian ist ja nicht das Thema,
sondern das Wissen, dass da ein Zuviel passiert. Es geht nicht so sehr darum,
sich gegenseitig aus dem Herzen zu sprechen. Dazu kommen die beiden gar nicht,
weil sie viel zu schnell an einem Punkt sind, wo sie sich schon wieder zurück
ziehen. Es ist eigentlich eine Rückzugsgeschichte von einer möglichen großen
Liebe: Susanne glaubt am Anfang, dass dieser Rückzug erfolgreich war, dass sie
wieder zurück in ihrem Leben ist. Deshalb glaubt sie, dass sie einfach vier
Tage irgendwohin fahren und dann wieder in ihr Leben zurückkommen kann, als
wäre nichts passiert. Sie kommt aber definitiv anders zurück. Was bei Susanne
übrig bleibt, ist nicht das Gefühl einer Seelenverwandtschaft, die Frage ist vielmehr:
Warum hat sie sich diese Liebe nicht getraut? Was bedeutet das jetzt für ihr
Leben? Wird eine solche Angst immer wieder auftauchen, wenn es um die große
Liebe geht? Ist die kleinere Liebe womöglich ohnedies die bessere? Oder hat sie
die kleine Liebe mit der großen womöglich zerstört? Ich glaube, das bleibt
übrig an Fragen. Der Klischeeverdacht war mir schon klar, aber das war mir
egal. Ich glaube nicht, dass man beim Schreiben solchen Geschlechterrollen oder
Klischees zwanghaft ausweichen sollte, das kann leicht schief gehen. Man muss
den Mut haben zu sagen, meine Figuren sind eben so, sie sind keine
soziologischen Musterbeispiele, sie müssen nicht für etwas stehen. Es ist auch
vollkommen egal, ob sie in einem Moment ihres Lebens ein Klischee darstellen.
So wie jeder auch Klischees lebt, kann es auch jede Erzählfigur. Entscheidend
ist, was sonst noch passiert: Wenn die Figuren nur nach Klischees handeln, und
wenn alle Fragen, die sie sich stellen, auch Klischees sind, dann wäre es ein
Problem.
Georg versucht
ebenfalls einen Ausbruch, der aber etwas sehr Gezwungenes hat, im Gegensatz zu
Susannes Ausbruch, der ja eine Reflexion auslöst. Georg steht doch für ein
Beharren in diesem Lebenskonzept.
Ich denke, dass er
nach einem Konzept der Wunschbefriedigung lebt, er hat sich schon auch etwas
erlaubt, aber er exekutiert es viel mehr, als er sich gehen lässt. Dann ist es
auch erledigt für ihn, aber in einer Weise, die bei ihm weniger Widerhaken
hinterlässt, als bei ihr. Vielleicht, weil sie für ihn wirklich die große Liebe
ist, aber das weiß ich auch nicht.
Das Bergwerksunglück
von Lassing hat einen erstaunlich großen Anteil im Roman; es gibt die
offensichtliche Parallele, dass die illegale Unterhöhlung des Stollensystems
genauso zum Einsturz führt, wie die Unterhöhlung der Ehe durch den Ehebruch.
Warum nimmt Lassing als Auslöser für die Reflexionen von Susanne so viel Platz
ein?
Das ist die eine
Metaphernebene. Aber es wird ja nicht Lassing geschildert, so wie Lassing
passiert ist, sondern durch die Augen von Susanne; und das auf zwei
verschiedene Arten. Einerseits einmal die Nacht, die sie dort verbringt, und
dann der Verlauf der nächsten Wochen aus dem Blickwinkel der Journalistin. Man
erlebt im Lesen, wie die professionelle Übersicht und Distanz über die Geschehnisse
letztlich dazu führt, dass ihr etwas passiert, was ihr auch in ihrer
Liebesgeschichte mit Sebastian passiert: dass sie am Schluss Angst bekommt vor
der Bergung des Verschütteten. Sie hat eine wirklich unheimlich zu nennende
Angst vor etwas, worüber man sich eigentlich freuen müsste. Je länger sie sich
damit beschäftigt, merkt sie, dass sie zwar mit den Daten und Fakten umgehen
kann, aber nicht mit der Tatsache zu wissen, dass da unten jemand lebt. Wie ein
Geheimherz da unten im Berg, was vielleicht Parallelitäten ergibt zu dem
Geheimherz in ihr, das vielleicht das Herz der großen Liebe wäre, davor hat sie
unheimliche Angst. Immer wenn sie daran denkt, dass da unten noch ein Herz
schlagen könnte, hängt sie keine Hoffnung daran, sondern hat Scheu und Angst.
Das ist dann der Moment, wo sie nach Hause möchte, und wo auch die Ehe
einsetzt. Ihr ist dasselbe also eigentlich schon einmal passiert, und da gibt
es auch noch einmal einen ganz anderen Zusammenhang mit ihrer Ehe. Über diese
Ecke hat die Lassing-Geschichte gar nichts mit ihrer Ehe zu tun, sondern mit
ihrer Angst vor der Liebe. Das ist auch der Grund, warum im Roman der
Berichterstattung über Lassing durch ihre Augen so lang gefolgt wird. Dadurch,
wie sie in ihrem Beruf agiert am Beispiel Lassing, erfährt man eigentlich,
warum ihr diese Liebe zu Sebastian zu ungeheuerlich war. Das unterminiert die
Liebe als Metapher auch viel mehr, als das mit dem Bergwerk, Schwarzabbau etc.
Mir war beim Schreiben klar, dass ich
mich da auf ganz gefährlichem Terrain bewege, dass man das eng führen würde.
Andererseits kann man als Autor vom Kritiker schon verlangen, dass der sich
fragt, warum tut er das, das kann er doch nicht so banal meinen, Schwarzabbau
und Unterminieren der Ehe. Das ist ein Aspekt, der in den Rezensionen bisher
überhaupt nicht erkannt worden ist.
Triffst du, wenn schon
nicht Kritiker, dann zumindest Leser, die solche Ebenen erkennen?
Thomas Glavinic hat in
einem Gespräch neulich gemeint, dass es eigentlich egal ist, ob wir 1 Million,
97.000 oder 3000 Bücher verkaufen, wir schreiben immer für die selben 150 bis
300 Leser, die wirklich einigermaßen dorthin mitkommen, wo wir als Erzähler
hingehen. Da ist hin und wieder auch ein Kritiker dabei. Es ist immer sehr
beglückend, wenn man hin und wieder auf einen solchen Leser trifft.
In allen Rezensionen
wird darauf hingewiesen, dass du Ausdauersportler bist, das ist auch Thema in
deinen Romanen.
Mir sind die Stellen
über den Sport sehr wichtig. Autoren sind ja so wie Allgemeinmediziner, sie
wissen über alles ein bisschen Bescheid, über manches weiß man aber vielleicht
doch genauer Bescheid. Arnold Stadler zum Beispiel ist Theologe, und das taucht
in jedem seiner Romane auf; damit sollte man ja auch nicht hinterm Berg halten,
das ist ein Kapital für einen Erzähler. Es gehört viel dazu, von etwas erzählen
zu können. Man kann recherchieren, man kann referieren, aber erzählen kann man
erst, was man wirklich fast schon erlebt hat. Sport gehört zu meinem
Lebensbild. Und außerdem kommt der Sport in der Literatur eh kaum vor.
Gibt es für dich einen
unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Sport und dem Schreiben?
Nur einen
persönlichen, dass es mir durch das Laufen leichter fällt, ruhig zu sitzen, zu
Hause zu bleiben. Sport betreibt man in einem ganz anderen Raum, außerhalb der
Stadt meistens, das ist ein ganz anderer Spielraum als der Schreibtisch, das
Papier, die Idee, die Konstruktion. Für mich ist es zwingend, auch als
Psychohygiene. Aber als Gegensatz, nicht als Ausgleich, sondern als etwas ganz
eigenes, das für sich steht.
Für mich ist er auch
ein Spielraum für die Zukunft: Es gibt diesen Weitwanderweg „Via Alpina“ von
Triest nach Monaco, die Alpen entlang, kein katholischer Weitwanderweg, sondern
ein schön säkulares EU-Projekt. Es gibt wahrscheinlich nicht sehr viele
Autoren, die diesen Weg gehen zu können. Jemand anderer müsste dafür
trainieren, und würde dann über diese Leistung des Gehens schreiben. Mir ist
die Leistung eigentlich ziemlich egal, also kann ich den Blick ganz wo anders
hin richten, darüber hinaus. Auf der Via Alpina ist man etwa fünfeinhalb Monate
unterwegs, immer zwischen 1500 und 3000 Meter. Allerdings interessiert es mich
nicht als klassische Rückzugsidee, ich möchte schon wissen, was in der Welt los
ist, eine Internetverbindung dabei haben. Als Schriftsteller, der sich für so
etwas Zeit nehmen kann, kann man sich auch viele Räume erobern, die gemeinhin
Wissenschaftern oder Journalisten gehören, man ist ja als Schriftsteller auch
ein Erkunder, ob man jetzt zwei Paare erkundet oder die Alpen.
Du arbeitest ja auch
als Journalist.
Nein. Ich schreibe
Reisegeschichten für das Rondo (Freitagsbeilage der Tageszeitung Der Standard, Anm.), aber das gehört zu meiner Arbeit als
Schriftsteller. Ich brauche viel zu lang dafür, um das als journalistischen
Text zu sehen. Ich wäre ja gern ein Journalist, aber ich wäre zu langsam dafür.
Du verwendest auf
diese Rondo-Texte die gleiche Sorgfalt, wie auf den Roman?
Das Glück ist, dass
das, was das Rondo von mir will, genau den Raum für mich offen lässt, den ich
brauche, um genau die Geschichte schreiben zu können, die ich schreiben will.
Es geht nicht darum, einen summarischen Reisebericht abzuliefern, sondern das
Ziel ist, dass etwas Erlebtes oder Gesehenes als pars pro toto für die ganze
Landschaft steht. Das ist eigentlich der klassische Zugang einer literarischen
Reiseerzählung. Ich habe damit den selben Anspruch, wie beim Roman: dass man
das gerne liest, dass man verführt wird, reinzulesen, weiterzulesen. Und
irgendwann denkt man sich, da steht jetzt doch mehr drin, man hat etwas
erfahren, aber es bleibt etwas offen. Es ist wunderbar, dass das Rondo diesen
Raum bietet. Ich bin der Meinung, in jede Ritze, die sich der Literatur bietet,
muss man rein. Es ist ja noch nicht so lange her, dass die Literatur wirklich
nirgends war in Österreich. Wenn sie nirgends im Alltag passiert, dann bekommt
sie einen hehren Touch. Die Leute lesen dann auch nichts, weil sie denken, das
ist sowieso alles zu kompliziert, und sie haben das Gefühl, das hat nichts mit
dem Leben zu tun.
Wie ist das Verhältnis
zwischen Konstruktion und Intuition in deinem Schreiben?
Für mich ist es
hilfreich, wenn ich über die Geschichte schon sehr viel weiß, wenn ich anfange
zu schreiben, dann versuche ich auch, mich auf die Intuition zu verlassen. Ich
schreibe Szene für Szene, sehr kleinteilig, und das heißt, dass eigentlich
immer alles passieren kann, dass möglichst viele Räume offen sind. Das geht
aber nur, wenn ich das Gefühl habe, ich habe darüber schon einmal alles
gewusst. Es ist geplant, aber jetzt setze ich mich hin und schau einmal, was
passiert. Wichtig ist auch, wie sehr ich einen Ton finde. Susanne hat ja ganz
von Anfang an einen ganz bestimmten Erzählton, auf den ich mich verlassen habe.
Dass dieser Ton da war, war eine wichtige Bedingung dafür, als Mann aus einer
Frau heraus erzählen zu können. Ich weiß nicht, ob es ein weiblicher Ton ist,
aber ich habe das Gefühl, es ist ein Ton, der dieser Frau angemessen ist.
Dieser Ton war am Ende des ersten Anlaufs, diesen Roman zu schreiben, da, und
ihn habe ich in den zweiten Anlauf mitgenommen. Im ersten Versuch wäre
Sebastian die Hauptfigur gewesen. Aus der Sebastian-Perspektive wäre das ein
formal viel aufwendigerer Roman geworden, aber ich weiß nicht, ob ich ihn
jemals dorthin gebracht hätte, zu dieser Einfachheit, die mir irgendwie aus den
Fingern gerutscht ist.
Deine bisherigen
Romane sind alle relativ kurz, liegt dir die Kürze besonders?
Noch schaut es so aus,
aber ich glaube, dass ich mit Ein Paar mit etwas fertig geworden bin. Meiner
Meinung nach hat Ein Paar sehr viel mit Der Räuber zu tun: die erzählerische
Bewegung, die das Buch macht, die Form des Flüchtens und des Ankommens, das
Weggehen und das Doch-ankommen-Wollen. Beides sind Sehnsuchtsgeschichten, und
das Thema habe ich jetzt abgeschlossen. Der neue Roman wird etwas wie ein historischer
Roman, über das Leben einer historischen Figur. Jetzt bin ich dabei zu lernen,
wie man so ein Leben erzählt, welche Erzählerposition man wählt. Bis ich die
Alpenüberquerung mache, recherchiere ich den neuen Roman. Dann marschiere ich
los, und den Roman habe ich dann im Hinterkopf und alles liegt bereit, um
loszuschreiben. Ich glaube, es ist eine gute Idee, mit so etwas spazieren zu
gehen.
Martin Prinz
Ein Paar. Roman
Jung und Jung, 2007
152 S.
18,00 EUR / 29,90 CHF
ISBN 978-3-902497-28-4
Martin Prinz, geboren 1973, aufgewachsen in Lilienfeld,
Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik. Lebt in Wien. Erschienen sind
bisher die Romane Der Räuber (2002), Puppenstille (2004) und Ein Paar (2007),
alle bei Jung und Jung. Der Räuber wird derzeit verfilmt.