Blum, Adi
Die Schweiz in Wien
Die Schweiz kommt nach Wien: Nicht nur sind 28 Verlage am Gemeinschaftsstand der Schweiz auf der BUCH WIEN 08 vertreten, sondern in Kooperation mit pro Helvetia und dem Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV auch ein Aufgritt des Spoken-Word-Ensemble “Bern ist überall”. Ein Gespräch mit dem “Band”-Mitglied Adi Blum.
Interview: Carlo Bernasconi
Foto: www.menschenversand.ch
Anzeiger 11/2008
Das Projekt
"Bern ist überall" präsentiert sich im Rahmen des Lesefestivals
erstmals in Wien. Werden die Österreicher den Witz genauso lieben wie wir
Deutschschweizer - oder müssen Sie ihn adaptieren?
Die Wiener und Wienerinnen dürfen sich auf den
Auftritt der Autorengruppe „Bern ist überall“ freuen. Der Witz der Gruppe lebt
ja nicht von der Sprache allein. Er steckt in den erzählten Geschichten aus dem
Alltag und den Sprachspielereien, die an sich universal verständlich sind. Bern
ist ja überall, also auch in Wien. Gerade Wien, die Heimat der „Wiener Gruppe“ und eines Ernst Jandls, wird verstehen, was es heißt, mit Sprachmaterialien zu
spielen. „Bern ist überall“ jongliert mit Dialekten und Hochsprachen und lässt
auch hie und da den Sprachschatz eines Jeremias Gotthelf oder eines Kurt Marti
aufblitzen. Die Gruppe leistet also Wort- und Übersetzungsarbeit im besten
Sinne.
Alpenland ist überall - wäre dies die passendere
Überschrift?
Nein, das würde ich nicht bejahen. Urbanität und
Provinzialität ist überall. Das käme schon besser hin. Nicht, dass wir etwas
gegen unsere Berge hätten, aber sie stehlen uns halt schon die freie Sicht aufs
Mittelmeer. Übrigens heißt ein Theaterstück von Beat Sterchi, auch ein Mitglied
der Gruppe, „Das Matterhorn ist schön“. Da stehen wir dazu.
Bern ist überall tritt in wechselnder
Besetzung auf. Wer wird in Wien lesen und was dürfen die Österreicher erwarten?
Etwa aktuelle Bezüge, die ins Programm ad hoc eingearbeitet werden?
„Bern ist überall“ ist eine Gruppe, die aus neun
Mitgliedern besteht. Sechs Literaten und drei Musiker. Alle bringen eine grosse
Bühnenerfahrung mit. Bei einem Auftritt wird sie jeweils durch drei Wort- und
einem Tonkünstler repräsentiert. Die Konstellation wechselt also von Auftritt
zu Auftritt. So ist jeder Bern-ist-überall-Abend quasi eine Premiere. Nach Wien
reisen Adi Blum, Guy Krneta, Michael Stauffer und Gerhard Meister. Unter den
vieren wird es thematische und formale Absprachen geben. Die Textauswahl ist
aber Sache jedes einzelnen. So werden auch die Kollegen immer wieder mit neuen
Texten überrascht. Aktuelle Bezüge lassen wir uns nicht entgehen. Als Spoken
Word Künstler müssen wir uns ja nicht auf gedruckte Texte verlassen. Es gilt
das gesprochene Wort …
In der Regel touren Sie in der
Schweiz - ist Wien der erste Auslandauftritt von Bern ist überall?
Nein, wir waren auch schon in Paris eingeladen. Die
personelle und sprachliche Flexibilität macht dies möglich. Die
Vielsprachigkeit ist ein Markenzeichen der Gruppe. Das ist das eigentlich
Schweizerische daran. So gibt es auf unserer neuesten CD „partout (2008)“,
herausgegeben vom Verlag „der gesunde Menschenversand“, auch einige Texte auf
französisch. Für den Auftritt in Wien jedoch wird bei der Auswahl der Texte
sicher die deutsche Standardsprache, wie wir Schweizer die Hochsprache nennen,
im Mittelpunkt stehen.
Das Spoken-Word-Ensemble „Bern ist überall“, bestehend aus
den sechs AutorInnen Stefanie Grob, Guy Krneta, Pedro Lenz, Gerhard Meister,
Michael Stauffer und Beat Sterchi, präsentiert bei seinen Auftritten Literatur,
die nicht nur für Bücher, sondern auch (oder gar ausschließlich) für die Bühne
geschaffen wurde.