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Brooks, Kevin

  

Starke Gefühle

Kevin Brooks ist einer der bekanntesten Jugendbuchautoren in Großbritannien. Sein neues Buch Black Rabbit Summer stellt er im November 2009 auf der BUCH WIEN vor.

Interview: Silke Rabus / Foto: privat
Anzeiger: 9/2009


Sie muten Ihren Figuren, ebenso wie Ihren LeserInnen, einiges zu: In Black Rabbit Summer geht es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod. Mögen Sie harte Geschichten?

Ja, absolut! Ich mag es, über starke Gefühle zu schreiben. Und für mich sind die kraftvollsten Emotionen die dunklen: Hass, Trauer, Verzweiflung, Schmerz … Diese Empfindungen neigen dazu, bei einem zu bleiben und beeinflussen unser Leben viel stärker als die angenehmeren  Gefühle, die – auch sehr nett – etwas Flüchtiges haben können: fließend und vergänglich … heute hier, morgen fort. 

Pete, die Hauptfigur, ermittelt in einem ganz persönlichen Fall: Sein bester Freund Raymond ist verschwunden, ebenso wie eine alte Schulkollegin namens Stella. Pete’s Vater ist zudem Polizeibeamter bei der Kripo. Die Nähe zum Krimi ist also offensichtlich – fasziniert Sie das Genre?

Ich habe schon immer sehr gerne Krimis gelesen, das hat einen großen Einfluss auf mein Schreiben: von den klassischen Kriminalromanen von Raymond Chandler, James M. Cain und Dashiel Hammett bis zu den großen Krimiautoren der Gegenwart – James Lee Burke, Lawrence Block, Robert Crais etc. Dabei fasziniert mich allerdings weniger das Verbrechen selbst als die Tatsache, dass eine kriminelle Handlung einem Autor erlaubt, menschliche Befindlichkeiten zu ergründen.

Ihre Figuren sind ambivalent gezeichnet: Stärke und Schwäche, Gutes und Böses liegen meist dicht beieinander. Was reizt Sie daran, Ihre Protagonisten so vielschichtig zu entwerfen?

Ganz einfach: Die Menschen sind so. Niemand ist nur gut oder nur böse, wir alle haben gute und schlechte Anteile – und manchmal ist es auch nicht entscheidend, ob man gute oder schlechte Eigenschaften (die bestimmen, wer oder was man ist) besitzt, sondern wie man diese Eigenschaften nutzt.

Die wichtigste moralische Instanz in Black Rabbit Summer sind Pete’s Eltern – sie wissen, im Gegensatz zu den mitspielenden Jugendlichen, fast ein bisschen zu gut, was richtig und was falsch ist. Ein Zugeständnis an Ihre jugendlichen Leser?  

Das ist nichts, was ich in meinen Büchern intendiere, aber Erwachsene (sowohl in der Realtiät als auch als auch in der Fiktion) werden ganz allgemein von jüngeren Menschen als Autoritätsfiguren angesehen – ob sie dann tatsächlich eine moralische Autorität sind oder nur dafür gehalten werden, ist eine andere Sache. Aber so ist es nun einmal.

Einige Ihrer Protagonisten hören Stimmen, haben Vorahnungen: Das Ineinandergreifen von Realität und Fiktion gehört in Black Rabbit Summer wie auch in anderen Büchern zu Ihren bevorzugten Erzählmitteln – vermutlich eine große Herausforderung beim Schreiben?

Weil all meine Bücher von realen Personen in einer realen Umgebung erzählen, erlaube ich mir manchmal, unrealistische Elemente in meine Geschichten einfließen zu lassen. Ich finde, das verleiht meinen Figuren und Handlungen eine zusätzliche Dimension. Aber ich versuche es so zu machen, dass es nicht allzu fantastisch wirkt. Das heißt: Es mag ein wenig unrealistisch wirken, geschieht aber doch einer sehr realen Person.

Black Rabbit Summer ist in Großbritannien bereits Anfang 2008 erschienen. Wie waren die Reaktionen?

Die meisten Reaktionen waren sehr positiv. Eine Leserin beschrieb das Buch als das erschreckendste Buch, das sie jemals gelesen habe – was wahrscheinlich nicht als Kompliment gemeint war, aber ich habe es als ein solches genommen! Es ist ein Buch, das von schrecklichen Ereignissen handelt. Wenn also jemand findet, dass es fürchterlich zu lesen sei, dann meint das auch, dass das Buch funktioniert.

Sie haben erst vergleichsweise spät zu schreiben begonnen: 2002 erschien Ihr viel gelobter Debütroman Martyn Pig, zuvor arbeiteten Sie als Tankwart, Verkäufer im Londoner Zoo oder Handlanger in einem Krematorium. Nicht unbedingt eine klassische Autorenlaufbahn?

Ich habe nicht geplant, irgendwann in meinem Leben ein Autor zu werden, es ist einfach so passiert. Als ich 20, 25, 30 Jahre alt war, hätte ich es wundervoll gefunden, Schriftsteller zu sein - es war immer mein Traum, Autor zu werden. Aber aus vielen Gründen ist einfach nichts daraus geworden. Am Ende ist es aber gewissermaßen doch gut für mich ausgegangen: Ich habe viele Jahre lang äußerst seltsame (und meist grässliche) Jobs gemacht, durch die ich sehr viel Lebenserfahrung gewonnen habe – und das nützt mir nun als Autor enorm.

Könnten oder möchten Sie auch für kleinere Kinder schreiben – oder weshalb sind Jugendliche Ihre bevorzugte Zielgruppe?

Ich habe früher für jüngere Leser geschrieben, das wurde aber nicht veröffentlicht. Aber ja, ich schreibe lieber für und über Teenager … obwohl, derzeit schreibe ich auch etwas für Erwachsene.

An welchen Büchern arbeiten Sie derzeit?

Mein neues Jugendbuch Killing God kam in Großbritannien im Juni heraus. Im Moment arbeite ich am nächsten Buch, das sich iBoy nennt und 2010 in Großbritannien erscheinen soll. Außerdem schreibe ich derzeit einen Kriminalroman für Erwachsene.


Kevin Brooks wuchs in einem kleinen Ort namens Pinhoe in der Nähe von Exeter/Südengland auf. Er studierte in Birmingham und London, arbeitete u. a. als Tankwart, im Staatsdienst, als Verkäufer im Londoner Zoo und als Handlanger in einem Krematorium. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Yorkshire im Norden Englands. Werkauswahl: Martyn Pig (2004), Lucas (2005), Kissing the Rain (2007) – alle bei dtv erschienen.

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